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„Kinder, Essen ist fertig.“ – Tipps für eine entspannte Atmosphäre am Esstisch

Entspannung am Familientisch

Ein Artikel von Alicia Metz-Kleine

Ich setze mich an den gedeckten Tisch. „Kinder, Essen ist fertig.“ Bis alle endlich da sind, dauert es 8 Minuten. Das kleine Kind hat sein Polizeiauto mitgebracht. „Mama, das mag ich nicht.“ - das große Kind mag neuerdings keinen Mais mehr. „Ok, dann nimm das.“ Das kleine Kind ruf „Bäh“, weil es die Gemüsepuffer entdeckt hat. In der Zwischenzeit ist das große Kind aufgestanden, noch was holen und Hände waschen. Ich bin erschöpft, ein ganzer Tag voll mit Lohn- und Care-Arbeit liegt hinter mehr. Das kleine Kind wirft ausversehen seinen Becher um. Aufwischen, neu eingießen. Eben stand ich dann noch in der Küche und jetzt das. Ich merke, wie genervt ich bin. Also durchatmen, jedem Kind den Teller zusammenstellen, den es will und mir selbst dann auch. „Piep, piep, piep. Guten Appetit!“. Das kleine Kind steht kauend auf und will wieder spielen...

Kennst du diese Situationen auch? Essen als Familie ist nicht immer so leicht und idyllisch, wie es oft in der Werbung dargestellt wird - vor allem im vollen Alltag nicht. Kinder sind mäkelig, ungeduldig und können nicht sitzenbleiben. Eltern sind genervt, müde und wollen in Ruhe essen. Wie kann man damit umgehen und eine entspannte Atmosphäre am Esstisch schaffen? Sind unsere Erwartungen zu hoch? Welche Tricks und Tipps helfen wirklich? Und ist es schlimm, wenn das Kind mäkelig ist?
Darum soll es heute gehen.

Viel Vertrauen, wenig Druck

“Gute soziale Beziehungen und gemeinsame Mahlzeiten hängen eng zusammen.” Jesper Juul (aus “Essen kommen. Familientisch – Familienglück“)

Das, was Jesper Juul in diesem Zitat sagt, ist eine gute Erinnerung, die man nicht vergessen sollte: Essen ist viel mehr als „nur“ Nahrungsaufnahme. Die Feinmotorik von Kleinkindern bildet sich hier aus, sie lernen und das gemeinsame Essen ist immer auch eine soziale Interaktion. Zudem ist Essen ein sehr emotionales Thema und vieles, was man als Kind erlebt, prägt einen für das ganze Leben. Gemeinsames Essen sollte Spaß machen und eine schöne Erfahrung sein. Erinnerst du dich an Familienessen aus deiner Kindheit?

Drei typische Situationen und wie du damit umgehen kannst:

1. Das Kind steht (immer wieder) auf, bevor alle fertig sind.

Also erstmal vorneweg: der Bewegungsdrang von Kindern ist völlig natürlich und normal. Er ist sogar etwas sehr Positives: wenn Kleinkinder etwa Krabbeln lernen, dann ist das nicht nur wichtig für ihre körperliche Entwicklung, sondern auch für ihre geistige. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass Kinder nicht das ganze Essen ruhig sitzen bleiben können. Sie stehen auf, wackeln mit den Beinen und turnen auf dem Stuhl. Das sollte man aber nicht als schlechtes Benehmen deuten. Das erzwungene Stillsitzen kommt noch aus einer alten Pädagogik, die auf Strafen aufgebaut ist.
Wenn es dir aber sehr wichtig ist, versucht gemeinsam am Tisch zu sitzen und dort zu essen. Denk dabei aber auch immer an das Alter deines Kindes und erwarte nicht zu viel. Kinder lernen erst kurz vor Schuleintritt länger ruhig sitzen zu bleiben und zum Beispiel zu warten, bis alle fertig sind. Wenn dein Kind aufsteht, erinnere es daran und sag ihm, warum es euch wichtig ist. Drohe aber nicht. Kleinkinder sollten aufstehen dürfen, sobald sie satt sind.

Ansonsten könnt ihr auch mal ein gemeinsames Picknick auf dem Boden machen oder versuchen, das gemeinsame Essen eher kurz zu halten. Feste Rituale und gemeinsame Regeln helfen auch.

Inzwischen wird übrigens auch in vielen Schulen mehr auf den natürlichen Bewegungsdrang eingegangen und Kinder dürfen aufstehen, sich anders hinsetzen und zwischendurch aufstehen. In dem meisten Kindergärten sowieso.

2. Das Kind ist mäkelig.

Eigentlich mag ich das Wort mäkelig gar nicht, es klingt immer so negativ. Trotzdem bringt es diese Phase gut auf den Punkt, die wahrscheinlich alle Eltern früher oder später erleben. Dabei sind diese Phasen ganz normal. Kinder mögen plötzlich nur noch bestimmte Lebensmittel und alle anderen werden abgelehnt. Manchmal gibt es auch farbliche Ab- oder Zuneigungen. Reagiert man darauf mit Druck oder großen Sorgen, führt das schnell zu einer schwierigen Situation am Esstisch. Dabei ist die gute Nachricht, dass du in diesen Phasen gar nicht so viel aktiv machen musst. Denn das, was am besten hilft, ist Gelassenheit. Dann gibt es jetzt eben wochen- oder monatelang für das Kind immer Käsebrot oder Nudeln oder Reis ohne alles. Was du aber machen kannst und solltest: immer wieder abwechslungsreiches Essen anbieten und dein Kind ermutigen, auch mal was anderes zu probieren. Wenn dein Kind gesund ist (!), heißt es ansonsten einfach: abwarten, geduldig sein. Die Phase geht vorbei.

Außerdem sollte man auch immer schauen, ob es vielleicht an anderen Gründen liegt. Ist es eine Phase oder dauerhaft? Ist das Kind wirklich mäkelig oder hat es einfach einen anderen Geschmack? Wenn ein Kind keinen Brokkoli (oder was auch immer) mag, warum sollte es diesen auf seinem Teller finden? Gästen würde man auch nichts servieren, von dem man weiß, dass sie es nicht mögen. Und wusstest du, dass es bis zu 15 Anläufe dauern kann, bis ein Kind etwas Neues probiert? Wenn Kinder also ein paar Mal ein bestimmtes Lebensmittel abgelehnt haben, lohnt es sich, es noch ein paar Mal zu probieren. Vielleicht auch mal ein einer anderen Form (geschnitten, püriert, gebraten...). Schaut euch gemeinsam Kochbücher an und geht zusammen einkaufen. Finde heraus, was dein Kind mag. Und dann findet ihr bestimmt auch ein paar Gerichte, die allen Familienmitgliedern schmecken.

Noch 3 Tipps:

  • Rohkost- oder Obstteller: wenn bei uns ein schön dekorierter Teller mit Obst und/oder Rohkost rumsteht, wird davon (fast) immer genascht.
  • Smoothies sind auch eine tolle Möglichkeit, damit Kinder ein bisschen Obst und Gemüse zu sich nehmen. Noch toller ist es, wenn ihr sie gemeinsam zubereitet.
  • Resteteller – einen solchen Teller gibt es auch oft in Kindergärten. Dort können die Kinder das drauf legen, was sie nicht mögen. Das solltest du nicht negativ kommentieren, sondern des Geschmack des Kindes respektieren.

3. Das Kind isst nicht auf.

Ein Kind ist satt, wenn es satt ist. Kinder haben von Natur aus ein gesundes Hunger- und Sättigungsgefühl. Wird dieses durch die Umwelt nicht gestört, können schon die Kleinsten selbst relativ gut die richtige Nahrungsmenge bestimmen. Viele Erwachsene haben das über die Jahre verlernt. Sätze wie "Iss deinen Teller auf, dann gibt es morgen gutes Wetter" sollte man deswegen vermeiden!

Bei all diesen Themen gilt aber natürlich auch: jedes Kind ist anders! Vielleicht fällt es manchen leichter, still zu setzen, andere probieren dafür mehr Lebensmittel und wieder andere können schon früh mit Besteck umgehen. Vergleich dein Kind nicht! Was dein Kind braucht: Viel Vertrauen, Geduld und Zeit - und wenig Druck oder Zwang!

Kritik oder Belehrungen haben am Esstisch nichts zu suchen – Tablets oder Smartphones übrigens auch nicht.

Entspannung am Familientisch

Tischmanieren.

Wenn man über den Familientisch spricht, geht es oft auch um Tischmanieren. Welche Manieren man von seinen Kindern erwartet, muss jede Familie für sich entscheiden. Aber auch hier gilt: Die Erwartungen dürfen nicht zu hoch sein. Kinder lernen am besten durch Vorbilder und nicht durch Ermahnungen. Deswegen entwickeln sich viele Tischmanieren auch ganz automatisch in der Kita. Dort lernen die Kindern nämlich voneinander und schauen sich viel ab. Wenn dein Kind sich nicht an gewünschte Tischmanieren hält, passiert das übrigens meistens nicht aus böser Absicht. Kinder vergessen das schnell oder sind abgelenkt. Erinnern und Vorbild sein hilft. Kinder unter 5 Jahren brauchen viel Übung und viele Wiederholungen, bevor sie etwas übernehmen.

Auch hier gilt wieder: Viel Vertrauen, Geduld und Zeit - und wenig Druck oder Zwang!

Entspannung am Familientisch

NudelnPommesEisHaferflockenSonstnix-Phasen

Wie bereits oben erwähnt, sind NudelnPommesEisHaferflockenSonstnix-Phasen (oder wie auch immer sie bei euch heißen) ganz normal und kommen in jeder Familie immer wieder vor. Beobachte und begleite dein Kind und sei entspannt. Es kommen auch wieder andere Phasen.

Wichtig ist es, immer wieder und ganz entspannt gesunde Nahrung anbieten und unseren Kindern zu vertrauen. Dann machen wir schon sehr viel richtig.

Was bei uns richtig, richtig gut funktioniert, sind Selbstmach-Gerichte und individualisierbare Rezepte. Aber darum geht es nächsten Monat. 🙂

Zutaten

Anweisungen

„Kinder, Essen ist fertig.“ – Tipps für eine entspannte Atmosphäre am Esstisch

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